1. Schulgartentag: von Kiel bis Konstanz


155 Schulen öffneten ihre Gartenpforten am 1. Schulgartentag

Einfach in den Schulgarten gehen, die ersten Radieschen aus der Erde ziehen, süße Beeren direkt vom Strauch herunter naschen oder frische Kräuter einsammeln … so geht grüne Schule! Leonie, Carla, Johanna, Sebastian, Till und Jakub, Grundschüler*innen der Eichendorff-Schule, stehen am Morgen des 1. Schulgartentages vor ihrem Hochbeet im Innenhof der Schule und lassen sich erklären, wie sie den Schnittlauch schneiden sollen. Im zweiten Hochbeet steht Kraut an Kraut. Rot schimmert es durch die Erde: Radieschen! Lecker! Ein paar sind schon reif, während im dritten Beet Kohlrabi heranwachsen.

Bereits Kinder im Grundschulalter für den gärtnerischen Kreislauf vom Aussäen, Aufziehen, Aufessen bis hin zum Genießen von Gemüse & Co. zu begeistern und für nachhaltige grüne Themen zu sensibilisieren, dazu hatten die Bundesarbeitsgemeinschaft Schulgarten e.V. (BAG) in Kooperation mit Slow Food Deutschland zum 1. bundesweiten Schulgartentag am 20. Juni 2017 aufgerufen. Exemplarisch für den Aktionstag stand die Eichendorff-Schule in Karlsruhe. Dort machte das Slow Mobil gerade Station. Auf das Ernten im Schulgarten folgte Schnippeln und Kochen in der mobilen Küche.

Drei Hochbeete reaktivieren den Schulgarten

Anfang des Jahres gab das Gartenbauamt Karlsruhe den Startschuss: drei Hochbeete für die Eichendorff-Schule zur Reaktivierung des Schulgartens. Für die Betreuung hatte sich eine Lehrerin gefunden. Obwohl das Thema Ernährung fest im Bildungsplan verankert ist und sich Lerninhalte über Schulgärten viel gezielter und leichter vermitteln lassen, haben viele Schulen in Deutschland keinen Schulgarten. Warum ist das so? In erster Linie liege das an den fehlenden Kapazitäten und zweitens sei ein Schulgartenkonzept zeitaufwändiger als jede andere Arbeitsgemeinschaft, so Dr. Dorothee Benkowitz, Wissenschaftlerin am Institut für Biologie und Schulgartenentwicklung an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe und Vorsitzende der BAG. Auch Helmut Kern vom Gartenbauamt Karlsruhe, der seit er im Amt ist, Schulgärten insbesondere in der Startphase fachlich unter die Arme greift, bestätigte: „Ohne Herzblut geht es nicht, das Projekt Schulgarten steht und fällt mit dem Engagement der Lehrkräfte!“ An anderen Schulen gibt es Elterninitiativen oder Ehrenamtliche, die die kontinuierliche Pflege der Anlagen gewährleisten. In den letzten 20 Jahren halten sich Stilllegungen und Reaktivierungen von Schulgärten die Waage.

Ganztagsschulen haben mehr Zeitkontingente

Vielleicht fällt die ungetrübte Hoffnung der BAG-Vorsitzenden, Dr. Benkowitz auf fruchtbaren Boden, dass sich durch die Umstellung auf Ganztagesschulen die Zeitkontingente für Schulgärten erhöhen, damit immer mehr Kinder in den Genuss eines ganzheitlichen Umweltunterrichts an der frischen Luft kommen. Für Slow Food, insbesondere für das Slow Mobil sind Schulgärten die geeigneten Lernorte, um Kinder für nachhaltige Ernährung zu sensibilisieren. „Die Auswahl der Lebensmittel spielt für das Kochen schließlich eine wichtige Rolle und mit dem Zubereiten, Kochen und gemeinsamen Essen im Slow Mobil verankert sich das Wissen bei den Kindern nachhaltig!“, so Andrea Lenkert-Hörrmann, Vorstandsmitglied Slow Mobil Karlsruhe. An der Eichendorff-Schule ging der 1. Schulgartentag im Slow Mobil bei Kohlrabi-Kartoffel-Gratin in Kräuter-Kruste und einem Erdbeer-Shake genussvoll zu Ende.

Expertenrunde diskutierte über die Essgärten an Schulen –
Gemeinschaftsaktion mit Slow Food Deutschland

Für den Abend war eine vertiefende Diskussion mit Experten, moderiert von Angelika Ziegler, Vorstandmitglied des Slow Mobils Karlsruhe, zum Thema „Essgärten an Schulen – Erlebnisräume für eine Welt mit Zukunft“ im Lerngarten der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe angesetzt. Schulgarten aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutierten Dr. Dorothee Benkowitz (Pädagogische Hochschule Karlsruhe, Vorsitzende BAG), Renate Rastätter (Stadträtin Bündnis 90/Die Grünen Karlsruhe), Prof. Dr. Lotte Rose (Frankfurt University of Applied Sciences / Kinderkommission Slow Food Deutschland) und Helmut Kern (Gartenbauamt Karlsruhe). Am Ende kamen wertvolle Informationen zusammen:


Mit dem Schulgartentag soll ein gut funktionierendes Netzwerk von Schulgärten geknüpft werden. Angestrebt sind darüber hinaus gehende Kooperationen mit externen Partnern wie Slow Food und auf kommunaler Ebene mit dem Gartenbauamt und Gartenvereinen, Umweltverbänden und -Stiftungen. Ziel ist es, die Initiative Schulgarten so zu stärken, um für Schulgärten ein bestätigtes, leicht umsetzbares Programm auszuarbeiten, das verbindlich in den Schulunterricht integriert werden kann. Lotte Rose warnte davor, den Schulgarten bzw. Ernährungsbildung in ein festes Unterrichtsfach pressen zu wollen. Ernährungsbildung müsse generell ein Teil schulischer Bildung werden – fächerübergreifend. Das sei eine wichtige Forderung an die Bildungspolitik. Außerdem sei es schwierig für Pädagog*innen, das Schulgarten-Netzwerk aus Kapazitätsgründen aufrecht zu erhalten. 
Der Faktor Zeit spielt bei der Etablierung und langfristigen Nutzung eines Schulgartens eine erhebliche Rolle. Wer pflegt die Gärten in den Sommerferien? Wie passt der Schulgarten in das Schulcurriculum? Auch eine Fortsetzung der Schulgartentage wurde diskutiert. Um Schulen bei der Einrichtung eines Schulgartens, Lehrer/innen bei der fachlich-gärtnerischen (Aus-)Bildung zu unterstützen wurde überlegt, ob man aus öffentlichen Quellen, Stiftungen und über private Unterstützer Gelder generieren kann, um eine/n Projektbeauftragte/n, bei der/dem alle Fäden zusammenlaufen, über einen Zeitraum von bspw. zwei Jahren zu bezahlen. Das nächste Diskussionsforum findet im Herbst 2017 in Karlsruhe statt, dazu werden außerdem Vertreter der Schulen eingeladen.
Rose Schweizer

Presse-Nachbericht vom 21. Juni 2017 in der BNN.

 

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